ISBN: 978-3-8260-1878-7 Reihen Nr: FrlG Band Nr: 19 Erscheinungsahr: 2000 Seitenanzahl: 284 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Die Freiburger literaturpsychologischen Gespräche sind ein Forum für diejenigen, welche die Literatur und den Umgang mit ihr psychoanalytisch untersuchen und die dazu geeigneten Verfahren wie auch deren Voraussetzungen reflektieren. Bei der Konzeptualisierung der Tagung zum Thema Trauma bildeten die Triade Autor-Leser-Text bzw. deren Elemente den Ausgangspunkt der Überlegungen. So kann ein Autor/eine Autorin selbst ein Trauma erlebt haben und diese Erfahrung direkt oder indirekt, bewußt oder unbewußt im Text zum Ausdruck bringen. Er/Sie kann den Leser/die Leserin als Zeugen oder Identifikationsfigur einbeziehen oder auch von der traumatischen Erfahrung ausschließen. Die auf den Text bezogene Frage kann lauten: Mit welchen stilistischen Mitteln und mit welcher Textstrategie wird die Wirkung erreicht? Wie gelingt es dem Autor/der Autorin, Bilder und Symbole für das Unsagbare und Unfaßliche zu finden, um die oft solitäre Erfahrung zu überwinden und (mit)teilbar zu machen? Auch in der Literatur sind - entsprechend gestaltet - traumatische Situationsfaktoren zu erwarten wie: Todesfurcht, plötzlicher Verlust einer geliebten Person, Deprivation, Mißhandlung, Anblick entstellter Körper, oder auch eigene ungewollte Täterschaft. Die Analyse ,traumaprotektiver' und ,traumakorrektiver' Elemente in einem dichterischen Werk können zu einem vertieften Verständnis des Textes beitragen. Die Herausgeber lehren an den Universitäten Freiburg, Köln und Hamburg Literaturwissenschaft bzw. Psychiatrie/Psychologie.
ISBN: 9783826018794 Erscheinungsahr: 2000 Seitenanzahl: 117 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Warum zusätzlich zu den etablierten hermeneutischen Wissenschaften - wie z. B. Theologie und Literaturwissenschaft - noch eine psychoanalytische Interpretation literarischer Texte und Überlieferungen? Wozu psychoanalytische Literaturinterpretation, wo doch offensichtlich zu sein scheint, daß die Psychoanalyse einfache vorgegebene patterns (z.B. den Oedipuskomplex) am literarischen Beispiel immer schon zu bestätigen scheint, ohne dabei den Kunstcharakter und geistigen Gehalt literarischer Werke zu würdigen? Die vorliegende Arbeit Unsichtbare Tränen versucht, literaturwissenschaftliche und psychoanalytische Hermeneutik aufeinander zu beziehen - im Dienste eines beide integrierenden Verstehens, das sich wechselseitig befruchtet. Ausgehend von literarischen Strukturen (z.B. den Erzählformen des Figuren-, Gesellschafts- und Entwicklungsromans), kann sich die genuin psychoanalytische Perspektive im Rahmen des sprachlich-künstlerischen Charakters des jeweiligen Textes entfalten. Dabei wird der bewußte Umgang mit dem Widerhall der Texte im Interpreten - also Gegenübertragung als Erkenntnisansatz - zum spezifisch psychoanalytischen Beitrag der Textinterpretation. In Fontanes Roman Effi Briest erscheint die Textfigur Effi als ein in sich heiler Mensch, ein Naturkind, glücksfähig und beglückend. Zerstörung ihrer Existenz und Krankheit werden nicht als Folgen psychischer Konflikte, sondern aus der Konzeption des Gesellschaftsromans heraus als Folge sozialer Ächtung durch die Gesellschaft verstanden, die sich in dieser Gestalt gleichwohl ein Bild idealer Weiblichkeit schafft. Im Gegensatz dazu stellt Iwan A. Gontscharow in Oblomow eine Textfigur dar, die aus der Struktur des Figurenromans, auch in der Darstellung von Außenwelt, um ihre inneren Konflikte zentriert ist. Oblomows Lebensthema - das Verlöschen des Lebens von Anfang an - zeigt ihn als einen Bruchstück-Menschen, der eindringlich die Bruchstückhaftigkeit des Lebens überhaupt verkörpert. In Anton Reiser ist die Textfigur Anton Objekt psychologischer Erforschung des Autors Moritz. Diese Erzählhaltung wird als Ich-Spaltung verstanden, die die intendierte Selbsterkenntnis unmöglich macht. Paradoxerweise stellt so einer der ersten Bildungs- und Entwicklungsromane einen Menschen dar, der ohne Entwicklung, gefesselt im Wiederholungszwang der Selbstreparation ruhelos in sich selber kreist. Die Passions- und Ostergeschichten werden als Niederschlag eines Verarbeitungsprozesses verstanden, den der traumatische Tod Jesu bei den ihm Nahestehenden ausgelöst hat. Die Erzählintention der Evangelisten zielt auf die Gewißheit, daß Gott als das gute Objekt angesichts des Todes nicht zerstört wird, sondern daß selbst im Trauma des Todes Gott die eine Wirklichkeit bleibt, die Leben und Tod umfaßt. In allen vier Interpretationen geht es um "unsichtbare Tränen". In Effi Briest spürt der Leser sie im Schmerz Effis, von der Gesellschaft ausgestoßen zu werden; in Oblomow werden sie fühlbar im Leiden an der seelischen Lebenslähmung des Romanhelden; in Anton Reiser sind es die unsichtbaren Tränen des Lesers über das erniedrigte Kind; in den Passions- und Ostergeschichten schließlich erscheinen sie - metaphorisch gesprochen - als die Tränen Gottes, die er in Leidenden und Sterbenden um sich selber weint. Die Autorin Heide Rohse, geb. 1939 in Kassel. Studium der Erziehungswissenschaften. Tätigkeit als Lehrerin mit den Fächern Relgion und Deutsch. Wiss. Assistentin an der Universität Göttingen im Fach Ev. Theologie und Religionspädagogik; Lehrauftrag in Religionspsychologie. Ausbildung zur psychoanalytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin am Psychoanalytischen Institut Göttingen. Tätigkeit als Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche in freier Praxis. Dozentin und Kontrollanalytikerin am Lou-Andreas-Salomé-Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie, Göttingen. Veröffentlichungen zur Erziehungswissenschaft, Religionspädagogik, Psychoanalyse und Literaturpsychologie.
ISBN: 9783826015090 Reihen Nr: FrlG Band Nr: 17 Erscheinungsahr: 1998 Seitenanzahl: 375 Kurzinhalt: Die Freiburger literaturpsychologischen Gespräche sind ein Forum für diejenigen, welche die Literatur und den Umgang mit ihr psychoanalytisch untersuchen und die dazu geeigneten Verfahren wie auch deren Voraussetzungen reflektieren. Der vorliegende siebzehnte Band enthält die Referate, die auf der psychoanalytisch-literaturwissenschaftlichen Arbeitstagung Widersprüche geschlechtlicher Identität am 14. und 15. Februar 1997 in Freiburg diskutiert wurden, einen später zugesandten Aufsatz, Rezensionen sowie die dritte Fassung der Bibliographie Joachim Pfeiffers zur Literaturpsychologie (1992-1996). Inhalt: Abstracts - Zu Theorie und Methode - Christa Rohde-Dachser: Über Widersprüche geschlechtlicher Identität in der weiblichen Entwicklung aus der Sicht der Psychoanalyse - Wolfgang Mertens: Widersprüche männlicher Geschlechtsidentität aus psychoanalytischer Sicht - Jan Philipp Reemtsma: "Forsche nicht nach, wenn die Freiheit dir lieb ist; denn mein Gesicht ist ein Kerker der Liebe". Philologische Anmerkungen zu Sigmund Freuds und Kurt Eisslers Leonardo - Interpretationen - 1. ZU HEINRICH VON KLEISTS PENTHESILEA - Eva S. Poluda: Widersprüche geschlechtlicher Identität in Heinrich von Kleists Penthesilea - Joachim Pfeiffer: Widersprüche geschlechtlicher Identität in Heinrich von Kleists Penthesilea - Norbert Groeben: Interpretationsansätze zur Penthesilea und Gender-Sozialisation - eine dialog-hermeneutische Rezeptionsstudie - 2. ZU MARIELUISE FLEIßERS Stunde der Magd - Ulrike Prokop: Wie viele Geschichten in einer? Zu der Erzählung Stunde der Magd von Marieluise Fleißer - Martina Ölke, Elke Pfeiffer, Anke Zillessen: Widersprüche geschlechtlicher Identität und künstlerischer Kreativität in Marieluise Fleißers Stunde der Magd - 3. ZU HUBERT FICHTES VERSUCH ÜBER DIE PUBERTÄT: Annegret Mahler-Bungers: Widersprüche geschlechtlicher Identität. Zu Hubert Fichtes Versuch über die Pubertät - Peter Dettmering: Hubert Fichtes Versuch über die Pubertät - 4. ZU DOROTHEA SCHLEGELS FLORENTIN - Dagmar von Hoff: Irrungen und Wirrungen. Konversion und Geschlecht in Dorothea Schlegels Florentin - Mario Erdheim: Widersprüche geschlechtlicher Identität in Dorothea Schlegels Florentin - 5. ZU THEODOR FONTANES EFFI BRIEST - Heide Rohse: Arme Effi. Widersprüche geschlechtlicher Identität in Fontanes Effi Briest - Rezensionen: 1. Manfred Dierks: Der Wahn und die Träume. Eine fast wahre Erzählung aus dem Leben Thomas Manns (Walter Schönau) - 2. Johannes Cremerius: Freud und die Dichter (Walter Schönau) - 3. Norman N. Holland: The Critical I (Walter Schönau) Joachim Pfeiffer: Literaturpsychologie 1992-1996. Eine systematische und annotierte Bibliographie. Dritte Fortsetzung und Nachträge Die Herausgeber lehren an den Universitäten Freiburg, Köln und Karlsruhe Literaturwissenschaft bzw. Psychiatrie/Psychologie
ISBN: 9783826014499 Reihen Nr: FrlS Band Nr: 4 Erscheinungsahr: 1998 Seitenanzahl: 228 Kurzinhalt: In kritischer Auseinandersetzung mit der bisherigen psychoanalytischen Literaturwissenschaft entwirft der Verfasser eine psychoanalytische Theorie literarischer Kommunikation, die in der daran anschließenden Interpretation von Goethes "Dichtung und Wahrheit" zur praktischen Anwendung kommt. Mit seinem Ansatz grenzt er sich von einem literarischen Substantialismus ab, für den Texte feststruk-turierte, unabhängig von der Kommuni-kations-situation zu analysierende Objekte darstellen. Dagegen begreift er sie als Medien, deren kommunikativer Charakter sich in den szenischen Prozessen der Produktion und Rezeption äußert. Gattungen wiederum versteht er als überindividuelle Schemata literarischer Kommunikation, die per Konvention die Erwartungen von Autoren und Lesern vermitteln. Dementsprechend richtet sich die Interpretation von Goethes Autobiographie auf die - bewußten wie unbewußten - Kommunikationsstrategien des Autors, insbesondere seinen Umgang mit Gattungskonventionen, in denen sich sein problematisches Verhältnis zu den Lesern und ihren Erwartungen widerspiegelt. Es zeigt sich, daß Goethe auf zwei Kommunikationsebenen operierte. Während er auf der einen Seite den Forderungen und dem Zugriff des "großen Publikums" auswich, wandte er sich auf der anderen Seite an eine Gruppe von Leserfreunden, die den Text als literarische Konfession begriffen und zu einer anerkennenden und inte-grativen Rezeption in der Lage waren. Der Autor Michael Gärtner studierte Germanistik, Po-li-tikwissenschaft und Philosophie in Freiburg i.Br., wo er 1997 mit der vorliegenden Arbeit promovierte.