ISBN: 9783826021558 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 376 Erscheinungsahr: 2002 Seitenanzahl: 248 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Anna Louisa Karsch (1722-1791) wurde von den zeitgenössischen Poetologen als ‚Naturgenie' und ‚deutsche Sappho' stilisiert und für ganz unterschiedliche Zwecke vereinnahmt. Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen ihre Gedichte, mit denen sie als Berufsdichterin Geld verdiente, für sich warb und soziale Kontakte herstellte. Die Untersuchung argumentiert auf der Basis einer umfangreichen Archiv-Recherche und zeigt ästhetische Strukturen der Gedichte, in denen die Gestaltung des Rollenspiels, der Wahrnehmungsprozesse und der Zeitverläufe das Schreiben als künstlerischen Vorgang in Hinblick auf das empirische Leben kritisch befragt und reflektiert. Die Inszeniertheit der Gedichte weist eine eigenwillige Ästhetik auf, der die Notwendigkeit, Leben erfinderisch zu bewältigen, eingeschrieben ist und mit der Karsch gleichzeitig eine Innovation traditioneller Elemente gelang. Karschs Herkunft, ihre Rolle als Gelegenheitsdichterin, Unterhalterin und schreibende Frau im 18. Jahrhundert werden ebenso wie der Kontext der Anakreontik und der poetologischen Entwicklungen in die Analyse der Lyrik mit einbezogen, weil sie den Fokus für die Positionssuche darstellen. Das Werk war in besonderem Maße geprägt von biographischen und zeitgenössischen Widersprüchen, die mit der zunehmenden kulturellen Differenzierung im 18. Jahrhundert in Zusammenhang standen und mit denen Karsch sich schreibend auseinandersetzte. Die Autorin Anne Kitsch, Studium der Literaturwissenschaft, Germanistik und Pädagogik; Promotion mit der vorliegenden Arbeit in Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld; freiberufliche Publizistin mit dem Schwerpunkt Biographien ("Wir sind so frei..." - Biographische Skizzen von Diakonissen, Bielefeld 2001) und Konzeption und Durchführung von Rezitations-Veranstaltungen u.a. für Akademien, Hochschulen und kirchliche Einrichtungen.
ISBN: 9783826017490 Erscheinungsahr: 1999 Seitenanzahl: 219 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Romantische Texte werden im Zeichen des romantischen Enzyklopädismus allgemein als Ort vielfacher interdiskursiver Spannungen gelesen. So etwa wollen fast alle romantischen Schriftsteller von F. Schlegel und Novalis bis hin zu Hauff (auch ohne Amtsweihe) als Prediger verstanden werden, ja eine neue Religion stiften. Trotz des weitverbreiteten, vorgeblich theologischen Selbstverständnisses der Schriftsteller um 1800 wurde der Zusammenhang von homiletischer und dichterischer Rede in dieser Zeit jedoch noch nicht erforscht, vielmehr fehlt es bis heute selbst an Vorarbeiten dazu. Diese Studie versucht die Lücke mit einer systematischen Untersuchung der interdisziplinären Zusammenhänge zu schließen. Welche tiefenstrukturellen Spannungen bedingen jene gegenseitige Faszination von Dichtern und Predigern um diese Zeit? Wie gut informiert waren Schriftsteller der Epoche über die offizielle Homiletik? Kann man poetische mit kerygmatischer Rede unvermittelt gleichsetzen? Welche Prediger kannten sie? In fünf ideengeschichtlich und philologisch orientierten Kapiteln wird zunächst an repräsentativen Werken von Novalis, Clemens Brentano, E.T.A. Hoffmann, Zacharias Werner und Wilhelm Hauff exemplarisch Ausmaß und Bedeutung dichterischer Beschäftigung mit predigender Rede in der Romantik erkundet und beschrieben. Als Folie werden sowohl Goethe als auch die führenden Homileten Schleiermacher und Sailer herangezogen. Im Schlußkapitel werden die so gewonnenen Erkenntnisse zur Interaktion von Poesie und Predigt um 1800 diskurstheoretisch ausgewertet: Die vorgebliche Wahlverwandtschaft von Prediger und Poeten um diese Zeit hat ihren Ursprung in einem Kampf um diskursive Autorität, um die sinnstiftende Autorität der Autorschaft im Zeichen der Säkularisation. Der Autor Nicholas Saul studierte Germanistik und Romanistik in Cambridge, wo er mit einer Arbeit über Dichtung und Geschichte bei Schiller und Novalis promovierte. Seit 1982 lehrte er im Department of Germanic Studies Trinity College Dublin; ab 1998 als Professor am German Department der University of Liverpool. Aufsätze zur Literatur und Ideengeschichte von Aufklärung, Klassik, Romantik, Moderne. Bei K&N erschienen ist der zusammen mit Frank Möbus und Daniel Steuer herausgegebene Band "Schwellen. Germanistische Erkundungen einer Metapher" (1999).
ISBN: 9783826015953 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 269 Erscheinungsahr: 1999 Seitenanzahl: 305 Kurzinhalt: Mit "Reminiscenzien aus dem Werther" in Karl Philipp Moritz' psychologischem Roman "Anton Reiser" beginnt ein Spiel von Verweisen, Zitaten, Anspielungen, Kommentaren und (Um-)Deutungen zwischen Texten Goethes und Moritz'. Es hat seinen Höhepunkt in Goethes Künstlerdrama "Torquato Tasso", das hier als Verhandlung von ästhetischen Konzepten Moritz' gelesen wird, sein (vorläufiges) Ende findet es in Goethes Rückblick auf sein Schaffen und Moritz' Anteil daran. Diese Lektüre Goethes durch Goethe diente der Forschung lange Zeit als Ansatzpunkt für die Suche nach Beeinflussungen, die dann meist als Ausdruck eines Verhältnisses von Lehrer (Goethe) und Schüler (Moritz) verstanden wurden. Hier jedoch geht es um Intertextualität: um eine Suche nach Spuren von Texten in anderen Texten, die es ermöglicht, verschiedene Texte, verschiedene poetische Konzepte, verschiedene ästhetische Programme zueinander in Beziehung zu setzen, um in einem kontrastiven Verfahren beide Seiten zu Wort kommen zu lassen, ihnen einen spezifischen Sinn zuzuschreiben. Der Autor Volker C. Dörr, Jahrgang 1966, Studium zunächst der Mathematik, dann der Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie, Magister 1994, Promotion 1997, seitdem Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Germanistischen Seminar der Universität Bonn. Veröffentlichungen zur deutschen Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts.
ISBN: 9783826013492 Erscheinungsahr: 1997 Seitenanzahl: 113 Kurzinhalt: Die Studie befaßt sich mit einem von der Forschung bisher nicht beachteten Aspekt in drei Romanen Fontanes. Auf Grund der Verwandtschaft der Themen werden diese Werke über ihre Entstehungsgeschichte hinweg in der Art eines Triptychons behandelt. Eine genaue Textanalyse erhellt die Bedeutung des rätselhaften Todes der Protagonisten für Fontanes innere Reisen in die Unterwelt sowie auch für das zugrundeliegende Verklärungsgesetz. Neben der Todes- und Verklärungspraxis des Dichters zeigt die Studie den innigen Kausalnexus zwischen Fontanes Erinnerungen an die Kinder- und Mannesjahre und seine dichterischen Reisen. Damit wird ein zum Teil neues Fontane-Bild angeboten, in dem der Dichter sich als passionierter Seelenführer ausweist, der gegen ein Fährgeld den Tod für das Leben fruchtbar macht. Der Autor Sylvain Guarda, geb. 1955 in Laon. Studium der Fächer Germanistik und Romanistik an der Univ. Reims. Auslandsstudien in Deutschland, Österreich und den USA. 1983 M.A., 1988 Promotion an der Univ. von Washington in Seattle. Seit 1986 Dozent an der United States Naval Academy in Annapolis, Maryland.
ISBN: 9783826022579 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 398 Erscheinungsahr: 2002 Seitenanzahl: 189 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes erhalten die Deutschen 1989/90 die Möglichkeit, einen neuen Nationalstaat zu begründen. Doch wie definiert sich ein Deutschland, das aus seiner Geschichte gelernt hat? Der vorliegende Band will 150 Jahre Auseinandersetzung mit der deutschen Frage skizzieren. Er stellt die relevanten Nationenkonzepte in der deutschen Geschichte, deren wichtigste Theoretiker sowie historische und politische Zusammenhänge dar. Der Bogen spannt sich dabei von der Idee einer deutschen Kulturnation über den revolutionären Nationalstaat (1848/49), den imperialistischen Nationalstaat (1871-1918), den totalen Nationalstaat (1933-1945) bis hin zum Konzept "Eine Nation - Zwei Staaten" (1949-1990). In einer interdisziplinären Verbindung von Geschichts-, Sozial- und Literaturwissenschaft wird die deutsche Frage zugleich am Oeuvre des im Dezember 2001 verstorbenen Schriftstellers Stefan Heym diskutiert. Heym war nicht nur kritischer Zeuge vier verschiedener deutscher Staatsgebilde: der Weimarer Republik, des nationalsozialistischen Dritten Reichs, der Deutschen Demokratischen Republik und der vereinigten Bundesrepublik. Er hat auch die nationale und staatliche Entwicklung der Deutschen seit der Revolution von 1848/49 bis in die Gegenwart in seinen Werken nachgezeichnet. Die Autorin Doris Lindner, Jahrgang 1965, studierte von 1984 bis 1990 Geschichte und Literaturwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 1990 ist sie in verschiedenen Positionen im Kultur- und Wissenschaftsmanagement tätig.
ISBN: 978-3-8260-1467-3 Reihen Nr: EpiL Band Nr: 249 Erscheinungsahr: 1998 Seitenanzahl: 302 Kurzinhalt: Die Studien geben eine detaillierte Darstellung der ethischen Freitoddebatte von der Antike bis zum 18. Jahrhundert, wo die Psychologie (Erfahrungsseelenkunde) Diskursträgerin wird. Die historische Rekonstruktion umfaßt die Philosophie, die Theologie und die Jurisprudenz, deren Positionen in die Literatur eingehen. Dabei wird die Freisetzung der aufgrund des christlichen Freitodverdikts skandalösen Thematik gezeigt. Aus der Perspektive der Selbsttötungsdebatte bekommt die Trauerspielgeschichte zwischen 1650 und 1772 ein neues Gesicht, wobei außer zu Lessings Philotas und Emilia Galotti auch zu bisher vernachlässigten Werken (z.B. Gottsched in Panthea; BraweBrutus) essentielle Forschungsergebnisse vorgelegt werden. Außerdem klären die Studien hinsichtlich Goethes Die Leiden des jungen Werthers die Entstehung des Eklats. Der Autor Heiko Buhr, geb. 1964. Von 1984-1987 Lehre zum Bankkaufmann. Ab 1988 Studium der Literaturwissenschaft, der Deutschen Sprachwissenschaft und der Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1994 dort Magisterabschluß, 1997 Promotion an der Universität Stuttgart.
ISBN: 9783826014239 Reihen Nr: SBLK Band Nr: 4 Erscheinungsahr: 1998 Seitenanzahl: 289 Kurzinhalt: Die Reduktion der Protagonisten von Prosa und Drama zu körperlosen Stimmen ist bislang nur an Einzelfällen untersucht worden, nicht jedoch im europäischen Zusammenhang einer kontinuierlichen Entwicklungslinie der avantgardistischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Das Phänomen der halluzinierten Stimme ist der Motor einer Verschmelzung der traditionellen Genres von Prosa und Drama. Um deren Konvergenz aufzuzeigen, wird die Entwicklungstendenz beider Gattungen zur "Stimmenliteratur" an einer Reihe paradig-matischer Texte nachgewiesen. Diese Literatur stellt zugleich eine Überschreitung und Fortsetzung der literarischen Tradition dar, so daß ihre Leser vor historisch einzigartigen Schwierigkeiten der Rezeption stehen. Ein Vorverständnis des Umbruchs der Literaturästhetik, der über die Zwischenstufe des "Monologue Intérieur" zur modernen "Stimmenliteratur" führt, wird anhand von Künstlertheorien (Baudelaire, Kandinsky, Maeterlinck, Artaud, Robbe-Grillet, Sarraute) erarbeitet. Eine detaillierte textnahe Analyse ermöglicht die zusammenfassende Formulierung einheitlicher Kriterien des Textverständnisses in Richtung auf eine "Poetik der Stimme". Der Autor Jens Nöller studierte Publizistik, Komparatistik und Geschichte, arbeitete zeitweilig für den Hörfunk und promovierte mit der vorliegenden Arbeit in Bochum.