ISBN: 978-3-8260-1290-7 Autor: Schoene Anja Band Nr: 208 Erscheinungsjahr: 1997 Seitenanzahl: 265 Kurzinhalt: Die Liebe zwischen Bruder und Schwester ist ein Kernthema in der Menschheitsgeschichte, dessen Brisanz sich am Widerspruch von uralter Menschheitssehnsucht nach androgyner Einheit und gesellschaftlichem Tabu entfaltet. Mit der Inzestthematik wird ein Spannungsfeld entworfen, bei dem es um Grenzüberschreitungen zwischen Narzißmus und Androgynie hin zu einer utopischen dritten Möglichkeit geht. Im antiken Mythos wird paradigmatisch die Entwicklung von einem angenommenen „paradiesischen“ Zustand „bewußtloser“ Einheit erfaßt, gefolgt von der Trennung in Subjekt und Objekt, die Bewußtsein überhaupt erst ermöglicht, Chance aber auch Gefahr für das Ich bedeutet, bis hin zu einer erneuten Ganzheitserfahrung mit erweitertem Bewußtsein. Diese Struktur greift die Literatur auf, um den Dualismus als Grundbedingung menschlichen Daseins, um die Trennung von Bewußtsein und Körper, männlich und weiblich, Ich und Du zu problematisieren. Dies gilt vor allem für die Zeit um 1900, in der der Inzestthematik vor dem Hintergrund der Bewußtseinskrise eine Schlüsselrolle beim Entwurf neuer Subjekttheorien zugewiesen wird. Die Autorin Anja Elisabeth Schoene studierte Germanistik, Musikwissenschaft und Pädagogik in Adelaide/Südaustralien und München; 1988 Bachelor of Arts with Honours; 1996 Promotion; Arbeitsschwerpunkte: Mythologie, Richard Wagner, Beziehung Literatur/Psychoanalyse
ISBN: 978-3-8260-1977-7 Autor: Steinhaußen Jan Band Nr: 326 Erscheinungsjahr: 2001 Seitenanzahl: 526 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Die vorliegende Arbeit will nachweisen, daß die deutschsprachige Literatur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgebliche Entwicklungen einem homosexuellen Diskurs verdankt, in dem Schriftsteller sowie Geistes- und Sozialwissenschaftler ihre homoerotische Disposition, ihr Außenseiterdasein in einer heterosexuell ausgerichteten Umwelt und ihr Leiden an der eigenen geschlechtlichen Neigung, literarisch voreinander darstellen, nach außen aber verbergen. Ernst Bertrams Nietzsche-Buch thematisiert an zentralen Stellen Leidempfinden sowie Hoffnungen und Sozialisationsvorstellungen eines Homosexuellen. Bertram stilisierte Nietzsche als Homosexuellen und bediente sich wichtiger Philosopheme Nietzsches im Sinne seiner Lebensproblematik. Dabei verweist sein Buch nicht nur auf ihn selbst, sondern auf die Nietzsche-Rezeption im homosexuellen Diskurs, auf Stefan Georges und Kurt Hildebrandts Nietzsche-Bild, auf Thomas Manns Nietzsche-Rezeption, vor allem auf den Doktor Faustus. Es macht auf eine homosexuelle Literaturtradition aufmerksam, auf homosexuelle Wahrnehmungsperspektiven, auf Motive und Leitbilder, die im homosexuellen Diskurs zirkulierten, sowie auf damit sich verbindende Lebensvorstellungen. Untersucht wird der Einfluß der freundschaftlichen homoerotischen Beziehungen auf die schöpferische Arbeit. Die in Bertrams Nietzsche-Buch enthaltenen Implikationen sind nur im Spiegel einer für ihn tragisch verlaufenden Freundschaft zu verstehen. Die Arbeit geht auf die homoerotische Latenz der Beziehung zwischen Bertram und Stefan George ein. Das Verhältnis zwischen Thomas Mann und Stefan George verweist auf die im Werk beider zum Ausdruck kommende evident homosexuelle Motivpolarität. Die Arbeit beschreibt kein marginales Phänomen, sondern einen literaturhistorisch bedeutenden und einflußreichen Ausschnitt der literarischen Kommunikation der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Sie weist nach, daß Homosexualität eines der zentralen literarischen Themen in dieser Zeit war, daß renommierte Autoren wie George, Thomas Mann, Hofmannsthal, Bertram u.a. ihr spezifisch homoerotisches Empfinden zu einem wichtigen Gegenstand ihrer Kunst machten und daß Homosexuelle mit ihren Problemen aufeinander Bezug nahmen. Der Autor Jan Steinhaußen studierte Literaturwissenschaft und Philosophie. Er legte das erste und zweite Staatsexamen in den Fächern Deutsch, Geschichte und Ethik ab und promovierte 1998 in Halle.
ISBN: 9783826016516 Autor: Will Michael Band Nr: 254 Erscheinungsjahr: 2000 Seitenanzahl: 484 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Mit den beiden Begriffen "Autopsie" und "reproduktive Phantasie" hat Georg Büchners Mentor Karl Gutzkow eine, wenn nicht die charakteristische Qualität des Büchnerschen Œuvres schon früh erfaßt: den kritisch-sezierenden Rückgriff auf historisches und literarisches Quellenmaterial, das im Prozeß der Literarisierung kreativ verarbeitet und transzendiert wird. Neben der Hauptquelle, dem Bericht des Steintalpfarrers Oberlin, werden in den vorliegenden Quellenstudien erstmals zusammenhängend und vollständig die historisch-biographischen Informationen gesichtet, die sich Büchner über seinen Protagonisten Lenz, aber auch über die "Nebenfigur" Oberlin verschafft hat. Nach detaillierten Analysen zur Struktur und Chronologie der Erzählung wird Büchners Quellenverarbeitung in Nahaufnahme an einigen exemplarischen Textteilen untersucht. Die dabei zu Tage tretende faszinierende Verzahnung der unterschiedlichsten Quellenmaterialien läßt sich auch in der quellensynoptischen Edition des 'Lenz' nachverfolgen, die der Darstellung in einem separaten Band beigegeben ist. Darin werden neben dem Erzähltext und der Hauptquelle die zentralen Stellen aus den historisch-biographischen und literarischen Quellen sowie die zahlreichen text- und werkinternen Parallelen auf einen Blick dargeboten. Abschließend werden die wesentlichen Grundzüge von Büchners Schreibmethodik herausgearbeitet und mit neueren Positionen zur Genese und Fragmentarität von Georg Büchners 'Lenz'-Entwurf konfrontiert. Der Autor Michael Will, geb. 1962, studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Würzburg, wo er 1998 mit der vorliegenden Arbeit promovierte. Er ist derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg tätig, wo er an der Historisch-kritischen Ausgabe der Werke Jean Pauls mitwirkt.
ISBN: 9783826016448 Autor: Kasper Monika Band Nr: 265 Erscheinungsjahr: 2000 Seitenanzahl: 219 Sprache: deutsch Kurzinhalt: Um den Dichtern eine bürgerliche Existenz zu sichern, sei es gut, wenn man die Poesie zur Mechane der Alten erhebe. Der modernen Poesie fehle es am Handwerksmäßigen, beklagt Hölderlin in den Anmerkungen, seiner letzten poetologischen Äußerung, und verspricht eine Verfahrungsart zu lehren, die berechnet und immer zuverlässig wiederholt werden könne: das Gesetz. Diese Studie ist eine Interpretation der Sophokles Anmerkungen unter dem Gesichtspunkt des Gesetzes. Das Gesetz bestimmt die Beziehung zwischen dem Menschen und dem, was ihm entzogen ist: Aus der Beziehung des Menschen zu Gott, Natur, Geschichte gehen der schöpferische Prozeß und das Kunstwerk hervor. Auch alle weiteren Verhältnisse, die im Rahmen dieser Dichtungstheorie von Bedeutung sind, wie beispielsweise Poesie-Poetologie oder Werk-Rezipient, gehorchen dem einen Gesetz der Reflexion. Das Gesetz ist oberstes Prinzip. Es setzt alles Bestehende fest und führt aufgrund seiner eigentümlichen Art des Setzens über alles Gesetzte den Prozeß. Die Tragödie ist die Darstellung des Gesetzes. Der erste Teil der Arbeit befaßt sich mit den formalen Aspekten der Tragödie. Es geht um die für Hölderlin zentrale Frage der Zäsur, aber auch um das Gattungsproblem und um die Auszeichnung der Tragödie gegenüber den anderen Dichtarten. Im zweiten Teil wird die komplexe Beziehung zwischen dem Griechischen und dem Hesperischen ermittelt. Die Geschichte ist für Hölderlin nicht nur eine lineare Entwicklung, in deren Verlauf das Griechische durch das Hesperische überwunden und abgelöst würde. Beide sind vielmehr aufeinander angewiesen und können nur in ihrem Zusammenwirken verstanden werden, in dem sich erst das Gesetz manifestiert. Der dritte Teil beschäftigt sich zur Hauptsache mit der Übersetzung und situiert diese innerhalb von Hölderlins Spätwerk, das als Ausprägung des Hesperischen gilt. Mit dem Gesetz der Reflexion hat Hölderlin in den Anmerkungen einer Theorie von Dichtung und Erkenntnis Gestalt gegeben, die vor allem dem Prozeß des Erkennens und seiner Auswirkung auf den Status des Geschaffenen und Erkannten Beachtung schenkt. Die Studie trägt dieser Theorie zusätzlich dadurch Rechnung, daß sie aus ihrer Perspektive die Bedeutung der Sekundärliteratur für den literaturwissenschaftlichen Fortschritt bedenkt. Die Autorin Monika Kasper, Studium der Fächer Germanistik, Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Zürich. Von 1993 bis 1998 Assistentin, seit 1999 Oberassistentin am Seminar für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich.
ISBN: 9783826019135 Autor: Roßbach Nikola Band Nr: 333 Erscheinungsjahr: 2001 Seitenanzahl: 102 Sprache: deutsch Kurzinhalt: "Das Geweb ist satanisch fein." Die bewundernden Worte, mit denen der Präsident von Walter die von seinem Sekretär ersponnene Intrige lobt, werden in der vorliegenden Studie als poetologische Selbstreflexion des Textes Kabale und Liebe gelesen. Der Band stellt mit seiner differenzierten Analyse sprachlicher, diskursiver und textueller Gewaltcodierung in Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel einen originellen und zugleich thematisch hochaktuellen Beitrag zur modernen Schiller-Forschung dar. Kabale und Liebe wird unter dem Blickwinkel seiner Gewaltstruktur als Gewebe verschiedener dramatischer bzw. dramaturgischer Konzepte aufgefaßt, deren ,Autoren' die personae dramatis sind: Sie streben ein empfindsam-heroisches Drama, ein rührendes Familienstück, eine Märtyrertragödie, ein Intrigendrama an und beanspruchen dementsprechend Autorschaft, Regie und Rollenverteilung. Aus einer derart heterogenen Textstruktur ergeben sich interessante und durchaus gravierende gattungstheoretische Konsequenzen: Das bürgerliche Trauerspiel scheint nicht erst im 19. Jahrhundert mit Friedrich Hebbels Maria Magdalena an ein Ende zu kommen - bereits Schillers Dramaturgie verweist durch ihre komplexe und gewissermaßen gattungssprengende Struktur voraus auf die Moderne. Die Autorin Nikola Roßbach studierte Deutsch und Französisch (Lehramt) in Aachen und München. 1997: Promotion über Marie Luise Kaschnitz an der RWTH Aachen. Zur Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Gesamthochschule Kassel tätig.
ISBN: 9783826021749 Autor: Malinowski Bernadette Band Nr: 381 Erscheinungsjahr: 2002 Seitenanzahl: 464 Sprache: deutsch Kurzinhalt: In komparatistischer Perspektive nimmt die vorliegende Studie ein Spektrum neuzeitlicher lyrischer Dichtung in den Blick, das sich durch seinen Bezug auf kulturelle Traditionen prophetischen Sprechens auszeichnet. Ausgehend von den beiden für diese Auffassung von Dichtung maßgeblichen Traditionslinien des griechisch-antiken poeta vates und der alttestamentarischen Prophetie, werden in einer chronologisch gegliederten Folge von Einzelstudien paradigmatische Stationen der deutsch- und englischsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts (Klopstock, Hölderlin, Novalis, Blake, Shelley, Whitman) vorgestellt. Bereits die traditionsbildenden Modelle veranschaulichen, daß sich prophetisches Sprechen nicht nur als religiöses Offenbarungserlebnis und dessen sprachlicher Artikulation manifestiert, sondern zugleich autochthoner Reflex auf die spezifischen politischen, anthropologischen, historischen und kulturellen Gegebenheiten ist. Den prophetischen Diskurs gibt es folglich nicht. Zwar lassen sich gemeinsame Ursprünge, Erfahrungsstrukturen, Legitimitäts- und Wahrheitsansprüche, Intentionen, rhetorische und poetische Grundmuster etc. formulieren, doch werden diese ,Abstrakta' keinesfalls dem jeweils individuellen Diskurs gerecht, der sich im vielschichtigen Spannungsfeld von Traditionsbezug und Selbstbehauptungsanspruch, Gesellschaft und Individuum, historisch-defizitärem Ist- und prophetisch artikuliertem Soll-Zustand jeweils neu gestaltet. Die Autorin Bernadette Malinowski studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Augsburg, wo sie sich 2001 mit der vorliegenden Arbeit promovierte. Sie ist als Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft tätig.
ISBN: 978-3-8260-2223-4 Autor: Morgner Ulrike Band Nr: 388 Erscheinungsjahr: 2002 Seitenanzahl: 219 Sprache: deutsch Kurzinhalt: "Das Wort aber ist Fleisch geworden" - so predigt Andreas Hartknopf, der Protagonist von K. Ph. Moritz' gleichnamigem Roman. Er spricht dabei u. a. von sich selbst als Personifikation seiner ,Lehre'. Das befremdet im Blick auf die Entstehungszeit des Werkes wie auf den Autor; auch der Untertitel des ersten Teils, "Eine Allegorie", erscheint anachronistisch: Die Allegorie wurde im ausgehenden 18. Jahrhundert als Antipode des Symbols bestimmt und abgelehnt - Moritz reiht sich hier als Mitbegründer der Autonomieästhetik ein. Morgner zeigt, daß die "Allegorie" einen Beitrag zur Auseinandersetzung um Allegorie und Symbol leistet: In der Inkohärenz ihrer Sinnbilder, in der Pervertierung ihrer Praetexte (v. a. Christentum und Freimaurertum) sowie in den Polysemien ihrer sinnbildlichen Elemente und Strukturen konstituiert sich ,Sinn' nicht mehr praetextuell, sondern aus textimmanenten Bezügen - dieser hermeneutische Paradigmenwechsel impliziert auch anthropologische und theologische Dimensionen. Anstelle des vierfachen Schriftsinns tritt in der "Allegorie" ein vielfacher, nicht eindeutig faßbarer. Indem und wie sie sich dabei der Sinnbildlichkeit bedient, demonstriert aber zugleich ein Ineinandergreifen von Allegorischem und Symbolischen, daß beider Differenzierung relativiert - und damit die Ablehnung der Allegorie durch den Autor der "Allegorie" selbst. Die Autorin Ulrike Morgner (geb. 1970) studierte an der Universität Bielefeld und der Kirchlichen Hochschule Bethel (Deutsch, Ev. Theologie, Philosophie, Pädagogik). Mit Unterstützung des Ev. Studienwerkes Villigst e. V. promovierte sie bei Prof. Dr. Wolfgang Braungart an der Universität Bielefeld im Fach Germanistik. Seit Sommer 2001 arbeitet sie in Hildesheim als Freie Literaturwissenschaftlerin und Studienreferendarin (Lehramt Gymnasium).